Gastbeitrag von Kerstin Schuch
Aus einer kleinen Idee ist längst eine Erfolgsgeschichte geworden: Bereits zum dritten Mal brachte das Männer-Projekt „Man(n) singt!“ mehr als 30 Sänger aus der gesamten Region zusammen.
In nur drei Proben studierten sie ein anspruchsvolles geistliches Programm ein und gestalteten damit die Gottesdienste in der Pfarrkirche St. Elisabeth Lahrbach und in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena Borsch. Die gut besuchten Gottesdienste zeigten eindrucksvoll, dass sich das Projekt längst als feste Größe im kirchenmusikalischen Leben der Region etabliert hat.
Das Programm orientierte sich an den Lesungstexten des 16. Sonntags im Jahreskreis, insbesondere am Gleichnis von der Saat, dem Unkraut und dem Wachsen des Reiches Gottes (Matthäus-Evangelium, Kapitel 13, Verse 24 bis 43). Diesen Gedanken griffen auch die Predigten von Prof. Dr. Christoph Gregor Müller in Lahrbach und Pfarrer Ulrich Piesche in Borsch auf. Beide spannten den Bogen zum Chorprojekt: Auch beim Singen brauche es Geduld.
Zunächst werde Note für Note gelernt, ehe daraus Melodien und schließlich ein großer gemeinsamer Klang entstehe. Chorsingen bedeute Vertrauen, Ausdauer und die Erfahrung, dass aus kleinen Anfängen etwas Großes wachsen könne.
Musikalisch überzeugte der Projektchor mit großer Ausdruckskraft und stilistischer Vielfalt. Das „Kyrie“ von Charles Gounod entfaltete in zweistimmigem Satz mit Klavierbegleitung seinen innigen Charakter und ließ die lyrischen Linien der Männerstimmen eindrucksvoll zur Geltung kommen. Das „Gloria“ von Theodor Grünberger bestach durch seinen frischen, beschwingten Charakter. Im Wechselspiel zwischen dreistimmigem Chorsatz und virtuosen Klavierzwischenspielen entfaltete das Werk seinen ganzen musikalischen Charme.
Einen besonderen Akzent setzte Psalm 86, der im schlichten Psalmton nach klösterlicher Tradition erklang. Der Wechsel zwischen Vorsänger, Chor und Gemeinde verlieh dem Psalm eine eindrucksvolle Lebendigkeit und machte erfahrbar, dass Liturgie gemeinsames Beten und gemeinsames Singen ist.
Mit dem „Agnus Dei“ von Ludger Edelkötter erklang ein ausdrucksstarker Kanon, dessen kontrapunktisches Geflecht jede Stimme eigenständig zur Geltung brachte und zugleich zu einem harmonischen Ganzen verband. Den Abschluss bildete „Und ein neuer Morgen“ von Gregor Linßen, dessen Text den Gedanken des Evangeliums unmittelbar aufnimmt: „Sei keimender Same … und wachse in mir.“ Die aufblühende Melodie wurde selbst zum musikalischen Bild für das Wachsen des Glaubens.
Dass ein solches Programm nach nur drei Proben gelang, ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Die Tanner Kirchenmusik setzt seit Jahren erfolgreich auf kompakte Projektformate: kennenlernen, intensiv proben und gemeinsam auftreten. Dieses Modell hat sich vielfach bewährt und senkt die Hemmschwelle für alle, die Chorsingen einmal unverbindlich ausprobieren möchten.
„Man(n) singt!“ verfolgt darüber hinaus ein besonderes Anliegen. Das Projekt richtet sich bewusst an Männer – eine Zielgruppe, für die es im kirchlichen Leben vergleichsweise wenige eigene Angebote gibt. Während vielerorts Kinder, Jugendliche, Familien oder Frauen mit besonderen Formaten angesprochen werden, möchte das Männerprojekt einen Raum schaffen, in dem Männer Gemeinschaft, Glauben und Musik miteinander verbinden können.
Erfahrene Chorsänger waren ebenso willkommen wie Männer, die ihre Stimme bislang höchstens unter der Dusche oder im Auto erklingen ließen. Projektleiter Thomas Nüdling hatte die Werke eigens für die Besetzung ausgewählt, für die Gegebenheiten eingerichtet und formte den Chor innerhalb weniger Tage zu einem bemerkenswert homogenen Klangkörper. Das Ergebnis zeigte eindrucksvoll, welches musikalische und gemeinschaftliche Potenzial im gemeinsamen Singen steckt.
Der lang anhaltende Beifall in beiden Gottesdiensten war Anerkennung und Ermutigung zugleich. Für viele Teilnehmer stand deshalb schon nach dem Schlussakkord fest: „Wir sehen uns nächstes Jahr wieder.“ Passender hätte das Evangelium des Sonntags kaum enden können: Die Saat ist aufgegangen – und sie trägt bereits erste Früchte.




